Camino Mozarabe & Torres

47 | Über‘n Berg und erstmal falsch abgebogen

Dabei hatte der Tag so schön begonnen! Heute Morgen bin ich gegen 7 Uhr von meiner Feuerwache losmarschiert. Nach einem schnellen Kaffee im Café bog ich jedoch prompt falsch ab – mein GPX-Track war anscheinend veraltet. Glücklicherweise merkte ich den Fehler rechtzeitig. Danach ging es erst gemächlich, dann immer steiler bergauf bis auf 878 Meter.

Oben auf dem Cha de Arcas war erst mal eine Pause angesagt. 🥵

Beim Abstieg stand ich dann vor einer kniffligen Entscheidung: Ein offizielles Zeichen (gelbes Dreieck mit zwei Punkten) zeigte nach links. Etwas weiter, genau dort, wo mein GPX-Track den Weg verortete, wies jedoch ein Schild mit einem durchgestrichenen Kreuz (❌) in die Richtung. Was nun?

Ich wusste, dass es auf dieser Etappe eine Stelle gibt, an der man den Pfeilen bewusst nicht folgen soll – aber die sollte erst viel später kommen. Also entschloss ich mich, den offiziellen Schildern zu vertrauen. Ein Fehler, der mich heute etwa 5 Kilometer extra kosten sollte. Fluchend und wütend darüber, dass man sich anscheinend auf nichts mehr verlassen kann, kam ich nach einem riesigen Bogen wieder auf den Camino zurück.

Nach etlichen Kilometern auf Asphalt – einer kleinen, kurvenreichen Straße, auf der die Portugiesen wie die Bekloppten um die Ecken heizten – erreichte ich die Stelle, an der man angeblich nicht den offiziellen Schildern, sondern der Beschreibung von caminotorres.com folgen soll. Das tat ich dann auch. Passte mir ohnehin gut, da an der Abzweigung ein Restaurant lag, in dem ich etwas Ordentliches essen und mich um meine Unterkunft kümmern konnte.

Ich rief die Jugendherberge Casa da Juventude Amarante an, um nach einem Bett zu fragen. Die Dame am Telefon sprach Englisch und bat mich, eine E-Mail zu schicken – auf deren Antwort ich übrigens immer noch warte. 🤬

Da der Weg hinter dem Restaurant plötzlich wieder steil bergauf und über übelsten Untergrund führte, beschloss ich, von der Route abzuweichen und auf die Landstraße auszuweichen, bis ich wieder auf den Originalweg traf. Pfeile oder Symbole suchte man hier ohnehin vergeblich. Als ich dann gefühlt dreimal fast über den Haufen gefahren wurde, war Schluss. Ich fragte in einer Bar nach einem Taxi, das mich zur Jugendherberge brachte. Dort angekommen, teilte man mir mit: Natürlich kein Bett frei! 🤬🤬🤬

Genervt lief ich zum gegenüberliegenden Des Arts Hostel. Die junge Rezeptionistin war eifrig in ein Telefonat mit einem spanischen Gast vertieft. Da Spanier bekanntlich die Angewohnheit haben, für alles gefühlt zehn Sätze mehr als nötig zu verwenden, zog sich das Gespräch entsprechend in die Länge. Zehn Minuten später war ich endlich an der Reihe (wobei die Dame absolut nicht in der Lage war, ihren Gesprächspartner mal charmant abzuwürgen).

Ich fragte ohne Umschweife nach einem Einzelzimmer.

Tipp, tipp, tipp, tipp…
„Can I have your ID please?“ – „Yes, of course.“
Tipp, tipp, tipp, tipp…
„It costs 51 Euro including breakfast!“ – „Yes, fine!“
Tipp, tipp, tipp, tipp…
„Oh, I’m sorry…“ (Sie tuschelte mit einer Kollegin, die aussah, als würde sie eigentlich in der Küche arbeiten, aber dafür deutlich mehr Ahnung von dem Job haben als sie selbst) „… it costs not 51 Euro. It costs 59 Euro.“ – „Ok!“
Tipp, tipp, tipp, tipp…
„Oh, I need your ID again please.“ – „Really? Ok! 🤔“
„Oh no, sorry! The price is 51 Euro.“

Ich: „Before I pay: Do you have a stamp for me?“ (Für den Pilgerausweis).
„Äh. No, sorry, we don’t have a stamp, but you can go to the tourist office…“ (Es folgte eine epische Suche auf der Stadtkarte, um mir zu zeigen, wo genau die Touristeninformation liegt).

Am Ende reichte es mir. Das ganze Prozedere hatte bereits eine halbe Stunde verschlungen. Ich machte den beiden unmissverständlich klar, dass Pilger nicht die Zeit haben, den halben Tag an einer Rezeption zu stehen, nur um endlich den Zimmerschlüssel zu bekommen.

Das half! Danach ging es noch fix zum Friseur, den Stempel holte ich mir in der nahegelegenen Kirche am Infostand – und endlich, endlich war ich im Urlaubsmodus!😃.