Camino Mozarabe & Torres

Tag 1&2 auf dem Portuguese Central

Gestern lagen etwa 25 Kilometer zwischen Ponte de Lima und Fontoura, wo ich im Voraus ein Bett in der Pilgerpause (ja, so heißt die Albergue wirklich) reserviert hatte. Schon beim Start bemerkte ich einen deutlichen Unterschied zu meiner physischen Kondition zu Beginn der Reise. Ich rannte förmlich an den anderen Pilgern vorbei, sogar an jenen mit einem Tagesrucksack. Pilgerjagd ist also wieder angesagt! 🤪

Kurz vor dem Alto da Portela, der höchsten Erhebung des Central-Weges, legte ich eine kurze Bar-Pause ein. Dort beobachtete ich eine Kanadierin, die ihren Regenponcho anzog, obwohl es trocken war. Ich fragte sie, ob das eine gute Idee sei, da es bald steil bergauf gehe, aber sie meinte, es mache ihr nichts aus. Also ließ ich sie ziehen.

Der Alto da Portela beginnt sanft, wird aber ab einem bestimmten Punkt steil und anstrengend. Ich erinnerte mich, dass ich vor zwei Jahren dort mehrere Pausen einlegen musste, während mein damaliger Partner Eduardo den Anstieg ohne Halt bewältigte. Nun, dieses Mal war ich an der Reihe! Ich schaffte es ohne Pause! 😁

Auf halber Strecke traf ich Andreas aus der Pfalz, mit dem ich ein Stück lief. Er erzählte, dass dies sein erster Weg sei, den er in Porto gestartet hatte – wie die meisten, die hier unterwegs sind. Es war sehr angenehm, sich mal wieder in der Muttersprache unterhalten zu können, da die Kommunikation sonst nur auf Englisch stattfand. Erschreckenderweise merkte ich, dass mir manchmal die deutschen Wörter fehlten. Zum Beispiel wusste ich plötzlich nicht mehr, dass Bunkbed im Deutschen Etagenbett heißt. Eigenartig!

In der Herberge angekommen, empfing uns Verena, die Eigentümerin, die abends auch für uns kochte. Es war das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ich mit so vielen Menschen (wir waren 12) zusammensaß. Und genau da begann das Problem: Ich bin es einfach nicht mehr gewohnt, so viele Leute zu treffen und mich auszutauschen.

Die Gespräche drehten sich zudem nur um Blasen und Kinkerlitzchen – Themen, auf die ich absolut keine Lust mehr hatte. Verena warnte uns, dass es abends im Dorf laut werden könnte, da eine Bühne aufgebaut war. Schon den ganzen Tag plärrte aus den Kirchenlautsprechern Musik, die an Werbespots und Kinderspielshows erinnerte – grausam! Wir gingen alle um 21 Uhr ins Bett. Ich habe fast durchgeschlafen und bin heute früh um 6:30 Uhr als Erster losgelaufen. Es hätte zwar Frühstück gegeben, aber ich war nicht scharf darauf, die grandiosen Unterhaltungen des Vorabends fortzusetzen.

Heute lief ich dann bis nach Mos – 37 Kilometer! Das ist mein neuer persönlicher Rekord, auf den ich wirklich stolz bin, und das, obwohl es ständig regnete. Als ich in der Rezeption der Herberge ankam (die sich in der benachbarten Bar befindet), warteten bereits zwei Italiener auf den Check-in. Dummerweise lief ein Fußballspiel, und wir wurden gekonnt ignoriert. Nach zehn Minuten ging ich an die Bar und machte den Kellnern klar, dass drei Pilger warteten und ob das ihr Ernst sei. Danach ging alles sehr schnell. Seltsamerweise sogar ohne Registrierung unserer Namen und Pässe (nur falls das mal jemand von der Guardia Civil lesen sollte 😈).