Camino Primitivo

Der letzte Gang

Heute wurde ich durch das Brummen eines Mobiltelefons geweckt. Das Interessante daran: Es war nicht meines, sondern das meines Zimmer- bzw. Etagennachbarn. 😳 Ja, die Gebäude in Spanien sind extrem hellhörig und die Wände im Allgemeinen nicht gedämmt. 😁

Ich stand also gegen 7:30 Uhr auf, packte meinen Kram zusammen und fuhr mit dem Aufzug nach unten in die Lobby, wo ich mir einen Kaffee gönnte. Irgendwie muss ich der Hotelfamilie wohl sympathisch gewesen sein, denn als ich zahlen wollte, wehrte der Vater ab und wünschte mir nur einen „Buen Camino“. Wie lieb ist das denn? Ich bedankte mich mit einem freundlichen Schulterklopfer und machte mich mit einem Lächeln auf den Weg.

Natürlich habe ich mich erst einmal kräftig verlaufen. Anstatt zum Wasser zu gehen, lief ich Richtung Innenstadt. Nach einer geschmeidigen „Försterwende“ war ich dann aber wieder auf dem vorgegebenen Pfeilweg – und stand prompt vor einem Berg. Uff! 😩 Jacke ausziehen, gleich wird es warm.

Bevor ich mich an den Aufstieg machte, setzte ich noch eine Nachricht an „die zwei“ ab. Zur Erinnerung: Damit sind die beiden Frauen gemeint, die ich am Vortag beim Frühstück getroffen habe und die von Santiago nach Finisterre laufen. Mit den beiden und ihrem „portugiesischen Gandalf“ (er heißt in Wirklichkeit Tiago) war ich gestern Abend noch ordentlich einen picheln. 🥴 Nach dem Berg ging es gemäßigt weiter und ich erreichte Estorde, wo ich für ein Frühstück Halt machte.

Und das bei der Aussicht:

Bis nach Finisterre war es dann auch nicht mehr weit. Ich war gegen halb eins in der Stadt und lief direkt weiter bis zum Leuchtturm und dem berühmten 0,00 km Stein.

Hier lies ich mich von einer netten Dame ablichten und bummelte noch etwas herum. Nach kurzer Zeit hatte ich dann aber doch genug von den ganzen Tourimassen und Pilgergruppen und machte mich Richtung Hotel Sempre Fisterra auf, welches ich bereits vorgestern gebucht habe.

Dann machte es Blupp auf dem Handy. Gabbe (eine der 2) piepte mich über Facebook an, wo ich bin. Antwort: „Unter der Regendusche!“

Essen gehen? Ja, why not. Ich traf die 3 und wir gingen zu dem Lokal neben meinem Hotel, aus dem der Knurfigeruch quasi schon herausqualmte. Tiago hatte den Tipp ebenfalls durch einen Einheimischen bekommen. Also musste das Essen ja gut sein. Paella stand auf der Karte und wir bestellten sie. Der Kellner winkte erst ab, sagte dann nach eindringlicher Rückfrage seitens Tiago doch zu. Glück gehabt. So bekam ich endlich eine richtig gute Paella in Spanien.. Halleluja!

Mal sehen was der heutige Tag noch so bringt.

Nachtrag: Ich war gestern noch in einem kleinen Lokal, wo ich mir ein Glas Wein und eine Flasche Wasser auf spanisch bestellt habe. Die Dame hinterm Thresen meinte daraufhin: „Nicht schlecht. Das war richtig!“. Sie sprach Deutsch, ist Deutsch und kommt… Achtung, jetzt kommt es: …… aus Berlin!

Später kamen dann noch Tiago, Gabbe und Sonntag dazu, die vorher im steömenden Regen zum Leuchtturm gelaufen waren.

Da das Lokal alsbald schließen wollte, es war bereits nach 23 Uhr, zogen wir weiter und landeten in einer weiteren Kneipe. Zu uns gesellte sich Burkhard, den die Mädels ebenfalls irgendwo mal getroffen hatten. Er lief dieses Jahr die Via de la Plata und somit seinen fünften Weg. Somit waren Expertengespräche mit ihm vorprogrammiert.

Gegen 1 Uhr war dann aber endgültig Feierabend und wir gingen schlafen. 😴